HIV-Test im Kreis Unna

Testabend in der Aidshilfe

Die Aidshilfe im Kreis Unna bietet jeden Dienstag in der Zeit von 17:00 Uhr bis 20:00 Uhr einen HIV-Test an. Innerhalb von zehn Minuten liefert der eingesetzte Schnelltest ein Ergebnis. Notwendig ist dafür nur ein Blutstropfen aus der Fingerkuppe. Ulrich Keller vom Vorstand der Aidshilfe erklärt im Interview das Testprojekt.

Uli, vor acht Monaten habt Ihr den Testabend in der Aidshilfe eingeführt. Wie ist denn die Resonanz?

Wir sind bisher ganz zufrieden. Das Angebot etabliert sich im Kreisgebiet. Die Türen hat man uns zu Anfang nicht eingerannt, obwohl es in den Medien einen großen Hype um den Test gab, aber das haben wir auch nicht erwartet. Wir sind eine Aidshilfe in einem Landkreis, das kann man nicht mit den Metropolen vergleichen. Das Angebot wird jedenfalls regelmäßig in Anspruch genommen.

Ulrich Keller
© Manuel Izdebski

Wo du gerade den Test erwähnst: Der ist ja erst seit Oktober letzten Jahres auf dem Markt. Klappt der Test zuverlässig?

Ja, aber daran hatten wir auch keinen Zweifel. Wenn der Test qualitativ schlecht wäre, dann hätte es keine Zulassung für den deutschen Markt gegeben und wir würden ihn nicht nutzen. Ich bin immer wieder begeistert, wie das mit nur einem Blutstropfen funktioniert und man innerhalb von zehn Minuten ein Ergebnis hat. Die modernen Tests werden einfach immer besser. Die kurze Wartezeit kommt vielen Menschen sehr entgegen. Es mag eben nicht jeder tagelang auf das Ergebnis warten.

Wer kommt denn zu Euch, um sich testen zu lassen?

Das ist wirklich sehr gemischt. Jung und alt, Männer und Frauen, hetero- oder homosexuell. Einige Besucher hatten einen vermeintlichen Risikokontakt und wollen Klarheit, andere machen den Test unter dem Aspekt allgemeiner Gesundheitsvorsorge. Oft kommen junge Leute, die frisch in einer Beziehung sind und das zum Anlass für eine Testung nehmen.

Ihr macht ganz besonders darauf aufmerksam, dass ein positives Testergebnis heute kein Todesurteil mehr bedeutet. Warum ist Euch das so wichtig?

Weil es den Menschen die Angst vor dem Test nimmt. Eine Infektion mit HIV kann heute gut behandelt werden. Je früher die Infektion erkannt wird, desto besser sind die Therapieoptionen. Niemand muss mehr an Aids erkranken. Es lohnt sich also, den Test zu machen. Wenn man bei uns ein positives Testergebnis bekommt, dann ist das allerdings noch keine Diagnose. Erst wenn ein Arzt einen Bestätigungstest durchgeführt hat und der ebenfalls positiv ausgefallen ist, dann gilt der medizinische Befund.

Wie sind die Besucher auf das Angebot aufmerksam geworden?

Danach frage ich tatsächlich immer. Ausnahmslos haben alle erklärt, dass sie sich im Internet über die Testangebote im Kreisgebiet informiert haben.

Stellst Du sonst noch Fragen?

Nein, der Test ist schließlich anonym. Wir erfahren keine Namen, wissen nicht, woher die Leute kommen oder wie alt sie sind. Das bedeutet aber auch, dass wir keine Bescheinigungen über ein negatives Testergebnis ausstellen, sonst wäre es eben nicht mehr anonym. Meistens beginnen die Leute von sich aus zu erzählen, warum sie sich testen lassen wollen. Einige stellen auch gezielt Fragen und wollen Informationen, etwa zu den Übertragungswegen. Andere wollen einfach nur die Testung und überhaupt keine Beratung, dann ist das so.

Ein Test ohne Beratung wäre früher nicht vorstellbar gewesen....!

Das stimmt. Aber wir setzen einen Test ein, den die Leute mit nach Hause nehmen könnten, um sich dort selbst zu testen. Da gibt es dann auch keine Beratung. Für den Selbsttest gelten andere Bedingungen. Aus meiner Erfahrung kann ich allerdings sagen, dass die meisten Testbesucher doch einen gewissen Informationsbedarf haben und sei es nur, um ihr Wissen über Schutzmöglichkeiten bestätigt zu bekommen. Und sie sind auch dankbar für die Assistenz, die wir bei der Testung leisten.

So ein Test ist bei Euch für 15 Euro zu haben. Wäre es nicht besser, wenn der Test kostenlos wäre?

Absolut, das wäre wünschenswert. Aber wir müssen die Test-Kits selbst kaufen und geben sie dann zum Selbstkostenpreis weiter. Wir verdienen damit nicht einen Cent. Uns geht es nicht darum, ein Geschäft zu machen, sondern wir wollen, dass Menschen sich testen lassen. Schön wäre es, wenn wir die Tests kostenlos bekommen würden, dann könnten wir sie auch gratis weitergeben. Sollte jemand kommen, der wirklich kein Geld übrig hat, dann würden wir beide Augen zudrücken und auf die 15 Euro verzichten. Daran soll das nicht scheitern.

Du selbst bist im Projekt als Testberater dabei. Das ist doch bestimmt eine anspruchsvolle Tätigkeit?

Ich mache jetzt seit zehn Jahren Testberatung, nicht nur in Unna, sondern auch vorher schon bei der Aidshilfe in Dortmund. Damals wurden wir alle von unserem Landesverband entsprechend geschult und ausgebildet. Die Arbeit ist tatsächlich sehr anspruchs- und verantwortungsvoll. Neben der praktischen Beratungstätigkeit nehmen wir laufend an Fortbildungen teil, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Mit mir ist Gisbert Heuser in der Testberatung aktiv. Er ist auch schon seit zehn Jahren dabei. Und dann noch Manuel Izdebski, der hauptamtlich für unsere Aidshilfe arbeitet und ebenfalls einige Jahre auf dem Buckel hat. Wir sind ein erfahrenes Beraterteam.

Muss man sich anmelden, wenn man das Testangebot nutzen will?

Nein, man kann einfach dienstags in der Zeit von 17 Uhr bis 20 Uhr vorbeikommen und sollte ein paar Minuten Zeit mitbringen.

 

Vielen Dank für das Interview!