Stolperstein für Reinhard Drücke

31. Januar 2018 Schwulenverfolgung in der NS-Diktatur

Reinhard Drücke im Jahre 1939 (Foto: privat)
Reinhard Drücke im Jahre 1939 (Foto: privat)

Kreis Unna. Zur Erinnerung an die Opfer der Verfolgung im Nationalsozialismus wird am kommenden Dienstag, 6. Februar in Unna ein weiterer Stolperstein verlegt, der erstmals im gesamten Kreisgebiet einem homosexuellen Mann gewidmet ist.

Mehr als 50.000 Schwule wurden im Dritten Reich von den Nazis verfolgt, einer von ihnen war Reinhard Drücke aus Unna-Königsborn. Er war Spross einer bekannten Unternehmerfamilie. Sein Vater Friedrich Drücke betrieb das seinerzeit größte Bauunternehmen der Stadt. Im Jahre 1941 geriet Reinhard Drücke im Alter von 29 Jahren in die Fänge der Nazis. In Duisburg wurde ihm wegen mehrerer Vergehen nach Paragraf 175 der Prozess gemacht. Nach Verbüßung seiner siebenmonatigen Gefängnisstrafe nahm ihn die Kriminalpolizei in Vorbeugehaft und verschleppte ihn zunächst ins KZ Sachsenhausen, von wo er nach einigen Wochen ins Lager nach Groß-Rosen in Niederschlesien überstellt wurde. Dort wurde der gelernte Baumeister als Techniker in der Bauverwaltung eingesetzt. Möglicherweise rettete ihm diese Tätigkeit das Leben. Bedingt durch den Kriegsverlauf kam Drücke Anfang 1945 zunächst nach Hersbruck, einem Außenlager des KZ Flossenbürg und dann nach Dachau. Dort befreite ihn die 7. US-Armee am 29. April 1945. Im Nachkriegsdeutschland lebte Reinhard Drücke wieder in seinem Elternhaus in der Vaersthausener Straße 38, das er nach dem Tod des Vaters 1949 zusammen mit der Baufirma geerbt hatte. Er selbst starb am 31. August 1970 an den Folgen einer Krebserkrankung.

Zur Verlegung des Stolpersteins, die auf Anregung unserer Aidshilfe erfolgt, werden Nichten und Neffen von Reinhard Drücke in Unna erwartet. Sie reisen aus Kassel und aus Südfrankreich an. Einen Programmbeitrag leisten Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe des Ernst-Barlach-Gymnasiums. Der Stein wird um 9:00 Uhr von Aktionskünstler Gunter Demnig auf dem Gehweg vor dem Haus in der Vaersthausener Straße 38 verlegt. Die Zeremonie ist für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger offen.